Mit dem Übergang der geburtenstarken Jahrgänge der Fünfziger und SechzigerJahre in den Ruhestand wird in Deutschland die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in den kommenden Jahren deutlich sinken. Selbst eine angenommene sehr hohe Nettozuwanderung von jährlich über 450 000 Personen bis 2035 könnte den Rückgang nicht vollständig verhindern, warnte BiB-Direktorin Katharina Spieß.
Eine mögliche Lösung zur Linderung der Probleme: das Erwerbspotenzial der in Deutschland lebenden Menschen besser nutzen. Denn das sei noch lange nicht ausgeschöpft, sagt die Expertin. Mehr Erwerbstätigkeit gerade von Frauen und Älteren könnte den erwarteten Fach- und Arbeitskräftemangel „spürbar abfedern“, fasst sie die Ergebnisse einer BiB-Studie zum demographisch bedingten Fachkräftemangel zusammen.
Gerade bei Frauen – und hier insbesondere bei Müttern – bestehen der Studie zufolge erhebliche Spielräume, die aber durch ein unzureichendes Angebot in der Kindertagesbetreuung eingeengt werden. Auch bei Frauen mit Zuwanderungsgeschichte könnten durch vereinfachte Anerkennung von Berufsabschlüssen zusätzliche Chancen erschlossen werden. Schutzsuchende aus der Ukraine brächten zudem Qualifikationen mit, die in vielen Engpassberufen insbesondere im Pflege- und Gesundheitsbereich sowie im Handwerk dringend gebraucht würden, erklärte die BiB-Direktorin.